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05.02.2018

Karneval am Arbeitsplatz und die Krawatte vom Chef

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Mit dem Straßenkarneval geht die fünfte Jahreszeit auf ihre Zielgerade und erreicht damit auch ihren Höhepunkt. An den jecken Tagen herrscht sprichwörtlich die Narrenfreiheit, doch entschuldigt ist damit bei weitem nicht jede Schandtat und jeder Karnevalsbrauch.

Als Fachanwälte für Arbeitsrecht wollen wir zuallererst darauf hinweisen, dass Weiberfastnacht, Rosenmontag und Faschingsdienstag ganz normale Arbeitstage sind. Es gibt sicherlich viele Arbeitgeber, vor allem in den Karnevalshochburgen und vor allem kleinere Firmen, die ihre Firma zu Rosenmontag schließen oder an Altweiber ab 11.11 Uhr ihren Mitarbeitern frei geben.

Ein Anrecht hat ein Mitarbeiter aber darauf nicht. Zwar könne er sich, ähnlich wie beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld, auf eine langjährige betriebliche Übung berufen, wenn in den Vorjahren der Arbeitgeber beispielsweise zu Rosenmontag immer frei gegeben hatte. Gewährte er dies allerdings alljährlich unter Vorbehalt, so kann sich der Angestellte darauf nicht berufen. Der Grundsatz der betrieblichen Übung gilt übrigens nur eingeschränkt im öffentlichen Dienst und gar nicht im Beamtenrecht. Möchte also jemand unbedingt und uneingeschränkt Karneval feiern, muss er dafür rechtzeitig Urlaubstage beantragen.

Grundsätzlich gilt auch während der Karnevalstage, dass ein Mitarbeiter unkostümiert und nüchtern zur Arbeit kommt und seinen Pflichten und Aufgaben nachkommt. Genauso sollte die Schere vom Schlips des Chefs, der Kollegen oder anderer Personen fern bleiben, denn auch dieser Brauch darf zunächst einmal nur mit dem Einverständnis des "Opfers" gepflegt werden. Das Amtsgericht Essen hat bereits im Jahr 1988 (Az. 20 C 691/87) entschieden, dass dies nicht gegen den Willen des Trägers geschehen darf und damals eine Mitarbeiterin eines Reisebüros zu 40 D-Mark Schadensersatz verurteilt. Am Arbeitsplatz könnte dies auch zu einer Abmahnung führen.

Es ist in der Sache allerdings auch nicht das einzige Verfahren gewesen und das Urteil nicht grundsätzlich zu betrachten. Während die Stadt Essen nicht als Karnevalshochburg gilt, so ist vor allem in diesen mit Verweis auf das dort groß gepflegte Brauchtum den beklagten Schnibblern Recht gegeben worden. Ein bisschen Fingerspitzengefühl (im wahrsten Sinne des Wortes) und Einschätzungsvermögen, ob der Herr das Abschneiden seiner Krawatte klaglos hinnimmt, sollte also bedacht werden.

Ansonsten wäre den Herren nur zu empfehlen, an diesen Tagen lieber Fliege als Schlips zu tragen und Slipper statt Schuhe mit Schnürsenkeln ;-) ...

Foto: pixabay.de